Wie ging das überhaupt los?

Aller Anfang ist schwer. Also versuche ich die Anfänge mal aus meiner Sicht zu erzählen. Wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass wir plötzlich zu Dritt sind und ein Beziehungsmodell ausüben, von dem wir vorher noch nie wirklich etwas gehört hatten und es doch so wunderbar zu uns passt.

Zunächst zu meiner Person, ich bin Chap, der Ehemann in der Beziehung. Ich und meine Frau Trixi sind mittlerweile seit 19 Jahren zusammen. Sie war meine erste wirklich ernste Beziehung. Nach 5 Jahren Zusammenleben haben wir geheiratet und 2 Kinder bekommen. Wir gingen in den 19 Jahren durch Dick und Dünn, hatten Probleme, haben uns wieder zusammengerauft, hatten größere Probleme, haben es trotzdem geschafft. Denn eines hat sich auch bei den immer wieder aufkommenden Problemen gezeigt: Wir lieben uns beide inständig und ohne wenn und aber.

Natürlich war es nicht nur die Liebe die uns immer wieder unsere Probleme überstehen lies. Wir haben uns auch beide weiterentwickelt, wurden Erwachsener und mit der Zeit auch etwas klüger. Das alles lies diese Beziehung und Ehe aufblühen. Als wir vor etwas mehr als einem Jahr ein Haus gekauft haben, bekamen wir zum ersten Mal in unserem Leben das Gefühl angekommen zu sein. Und dieses Gefühl ist wirklich der Wahnsinn.

Aber warum gerade wenn es so gut läuft umsteigen und Polyamor leben?

Nach 19 Jahren Beziehung kennt man den Partner in und auswendig. Es ist wie beim Essen gehen.

Am Anfang geht man aus, man besucht jedes Restaurant, probiert die ganze Karte von oben nach unten durch, unterhält sich Stundenlang. Aber nach 19 Jahren, da kennt man die besten Restaurants, weiß genau was man gerne isst und genießt den Moment mit leichten Gesprächen und dem schönen Gefühl bei dem Menschen zu sein den man so sehr liebt.

Genau wie im Restaurant, ist es auch mit dem Sex. Man weiß genau welche Knöpfe man drücken muss, man kennt den Körper und die Reaktionen des anderen auswendig. Und jetzt nicht falsch verstehen, der Sex ist in diesem Stadium einfach großartig!

Wir haben recht viel Sex für eine so lang anhaltende Beziehung würde ich sagen. 3-4 mal pro Woche ist ganz normal für uns. Wenn es die Zeit zwischen Kindern, Schule und dem ganzen drum herum zulässt, auch gerne mehr. Und jetzt kommt das schöne „ABER“ 😀 natürlich ist der Sex im ganz normalen Alltag etwas zur Routine geworden. Man nimmt sich nicht unbedingt die nötige Zeit um es vollkommen zu genießen, sondern wartet bis die Kinder im Bett sind, bis der Haushalt erledigt ist um dann am Abend noch schnell miteinander zu Schlafen, bevor man zu müde dafür ist.
Natürlich versucht man trotz des Alltag immer wieder einmal etwas neues, bringt Spielzeug mit ins Liebesspiel, versucht auch hier und da mal ein schönes Vorspiel, man gibt sich nach wie vor Mühe. Und irgendwann kommt trotzdem der Gedanke auf, es wäre doch interessant mal wieder fremde, unbekannte Haut zu spüren. Und hier fing das alles an.

Eigentlich fing es damit an, dass unser bester Freund Chip in den letzten Monaten sehr häufig bei uns war. Bei ihm Zuhause gab es viele Probleme.
Irgendwann hatte er dann Urlaub und war eigentlich jeden Tag bei uns. Wir kochten zusammen und so ein bisschen lebten wir auch zusammen. Er tat uns gut. Wir gingen wieder mehr raus, vor allem er und Trixi gingen oft spazieren. Ich leider weniger aufgrund meiner Arbeit, aber wenn die Möglichkeit bestand, ging ich auch mit.

Nach seinem Urlaub ging es für Chip wieder zurück in den Arbeits- und Ehe Trott und schnell bemerkte er, dass es so nicht weitergehen konnte. Er beschloss endlich etwas zu sagen und seine Wünsche zu äußern.

Leider führte dies aber nicht dazu das sich die Beziehung besserte, sondern das es nur noch schlimmer wurde bis er schließlich Zuhause aus- und vorerst bei uns einzog.

Ich erzähle die Geschichte in einem recht hohen Tempo und nur oberflächlich. Vielleicht hat Chip ja später im Verlauf des Blogs mal die Lust das ganze etwas ausführlicher zu beschreiben. Das möchte ich ihm nicht wegnehmen, zumal ich auch nicht der Betroffene bin und das ganze nur von außen schildern kann.

Wie bereits in der Urlaubszeit harmonierten wir drei unheimlich gut, und während die ersten Tage vergehen hatten wir wieder die Gespräche mit fremder Haut, neues erleben…… Irgendwann machte ich den Seitenhieb von wegen wir könnten ja Chip dazu nehmen. Als zweiten Mann für Trixi. Bereits in dem Moment, indem ich den Satz anfing, sah ich das glitzern in Ihren Augen, das innere Feuer das lauthals JA!!!!! schrie. Sie selbst wusste nicht genau ob es was für ihn wäre. Denn im Gegensatz zu uns verlief seine Ehe bisher nicht gut und das merkte man auch. Seine Seele war zutiefst angeknackst, er hatte kein Selbstvertrauen und sein Selbsterhaltungstrieb war quasi vollkommen zerstört. Zusätzlich zu den ganzen Problemen entwickelte Chip bereits früh Gefühle für Trixi welche er aber unterdrückte. Und da es uns damals primär um den Sex ging waren Gefühle eigentlich ein No-Go…..

Doch die Neugierde siegte und die beiden fingen an über das Thema zu reden. Zunächst aber nur mit dem Ziel das sie beide etwas Spaß hätten. Wie das ganze sich entwickelte überlasse ich ebenfalls den beiden zu erzählen denn die meisten Gespräche habe ich nicht mitbekommen.

Irgendwann waren dann endlich die Kinder über Nacht weg und Trixi fragte mich ob ich etwas dagegen hätte wenn sie sich zu ihm legt und den 1. Schritt macht. Das hatte ich nicht und so verbrachten die beiden Ihren ersten Abend miteinander.

Nach diesem Abend folgte natürlich das Frühstück am nächsten Morgen. Wir waren beide vor Trixi wach und hatten Zeit ein wenig über das Erlebte zu reden.  Ich fragte Chip ob er es sich vorstellen könnte das wir uns auch zu dritt vergnügen könnten. Dies war für Ihn kein Problem. Also gesagt, getan. Nachdem Trixi aufgestanden war und gefrühstückt hatte, schnappten wir Sie an den Händen und brachten Sie ins Schlafzimmer wo wir wirklich einen der aufregendsten Tage überhaupt hatten. Und mit diesem Moment entwickelte sich unsere Dreiecksbeziehung.

Anfänglich ging es eigentlich nur um Sex. Aber bereits nach kurzer Zeit merkte man Trixi und Chip an, dass da nicht nur Sex, Verlangen und Begierde war. Also sprach ich immer wieder das Thema Polyamor an, und genau dies traf meinen Schatz dann auch mitten ins Herz denke ich. Der Gedanke für beide Männer Gefühle zu empfinden muss nicht falsch sein, ganz und gar nicht. Er kann sogar etwas sehr schönes sein. Denn wo man doppelt soviel Liebe vergibt, bekommt man doppelt soviel Liebe zurück.

Und so ging es los…….

Hallo Welt…….

Wie warum oder weshalb ich das hier schreibe kann ich gar nicht genau sagen. Ich denke es liegt vor allem an dem Bedürfnis über diese wirklich aufregende Zeit zu sprechen, oder sie zumindest überhaupt irgendwie nach außen zu transportieren. Denn im Unterschied zu irgendwelchen ganz normalen Themen die man einfach so mit Freunden, Familie oder auch fremden teilt, geht es hier um etwas sehr intimes. Über Gefühlswelten und Eindrücke die man normalerweise nicht unbedingt mit jedem teilt. Es geht um ein Leben, das nicht gerade dem Standard in unserer Gesellschaft entspricht und schnell als pervers oder frivol abgestempelt wird. Das es hier aber um viel viel mehr geht, um eine Frau die zwei Männer liebt, zwei Männer die eine Frau lieben und auch um zwei Männer die sich selbst auf eine zwar nicht sexuelle, aber trotzdem sehr intime Art und Weise schätzen, mögen und ja, ich denke auch lieben. Denn im Endeffekt ist die Liebe was sie ist, Zuneigung, Vertrauen und viel Gefühl.