Weltmeister im Nörgeln auf hohem Niveau

Wenn ich so im nachhinein über die Texte drüber fliege und lese, dann lese ich vor allem Negatives oder von Unsicherheiten. Dabei sollte ich vielleicht auch mal erwähnen das diese negativen, bzw. besser gesagt diese nicht ganz positiven Momente eher die Ausnahme in dieser Beziehung bilden.

Tatsächlich sind 99% der Zeit wirklich sehr schön und wir führen ein ziemlich harmonisches Zusammenleben in unserer lustigen Konstellation. Nach den typischen ersten Monaten in denen die Hormone nur so strömten und wir es kaum aus der Kiste geschafft haben, hat uns nun der Alltag wieder eingeholt. Wir sind weiterhin bis auf wenige Ausnahmen täglich intim miteinander, allerdings nicht mehr in dem extremen Ausmaß wie am Anfang.

Alles hat sich eingespielt, die Aufgaben sind verteilt und wir leben ein ganz normales Familienleben wie die meisten anderen Menschen. Einfach nur zu Dritt.

Ich muss heute wirklich sagen das es unser Leben bisher bereichert hat. Natürlich gibt’s immer wieder mal Reibepunkte, so wie in jeder normalen Beziehung auch, manches stört einem an anderen und umgekehrt. Aber wenn ich sehe wie gut es bei uns funktioniert, dann bin ich trotzdem erstaunt. Jeder hat seine Aufgaben die er erledigt, das Familienleben gerade mit den Kindern funktioniert gut und die Kids nehmen die Situation auch als ganz normal an.

Und gerade das freut mich wirklich, die Größte Sorge in unserer Situation als Erwachsenes Elternpaar ist natürlich die Frage wie es die Kinder beeinflußt, ob positiv oder negativ.
In unserem Fall kann ich sagen das es sich sehr positiv auf das Werteverständnis unserer Kinder auswirkt, sie akzeptieren das nicht alle Menschen gleich sind, das es viele verschiedene Feinheiten gibt und man Sie dafür nicht verurteilen darf oder muss. Das macht mich wirklich sehr stolz auf die beiden.

Wir haben jetzt ein Jahr zu dritt gemeistert und ich denke es war nicht das letzte. Viele Dinge sind schon passiert von denen ich noch schreiben muss, viele Dinge passieren gerade und viel mehr Dinge werden uns sicherlich noch passieren.

Mein Leben ist reich, reich an Liebe, an Spaß, an Familie und Freunden, reich an Freude!

Selbstbewusstsein Fehlanzeige

So, jetzt sind es schon wieder 2 Monate später, der Spaziergang war übrigens sehr schön und wir haben die ganze Zeit auch über Gott und die Welt gesprochen. Waren noch Kaffee trinken und Kuchen essen, war insgesamt ein sehr sehr schöner Nachmittag.

Aber er hat mir mal wieder deutlich gemacht, wie stark ich mich manchmal selbst unter Druck setze obwohl es gar nicht angebracht ist. Oder wie unglaublich doof ich mich dann auch einfach in meinem Kopf dranstelle… es ist schon faszinierend wie selbstzerstörerisch wir Menschen sein können.

Ich denke es liegt vor allem dann doch tatsächlich an mangelndem Selbstbewusstsein. Gerade in Emotionalen Momenten wenn ich irgendwie einen schlechten Tag erwische, dann fehlt mir hier das nötige Rückrad um die Situation gut zu überstehen. Ich interpretiere dann viel zu viel in jede nur mögliche Kleinigkeit was echt total bekloppt ist. Mit ein wenig Abstand zu dem ganzen realisiere ich dann wie kindisch und unreif meine Gedankengänge waren, während die Situation an sich eigentlich total harmlos war.

Aber gut, wie schon gesagt, der Tag war sehr schön und das kleine Emotionale Chaos ist überwunden.

Leere

Ich weiß nicht ob es anderen Männern auch so geht, aber jetzt im Moment, sitze ich hier, der Kopf ist leer und er will sich auch einfach nicht mehr füllen.

Morgen bin ich mit Trixie 20 Jahre zusammen, eine stolze Zahl. Ich liebe sie heute mehr als je zuvor. Und trotzdem, habe ich Angst vor diesem Tag, denn mein Kopf ist leer. Ich habe keine Ideen mehr, vor allem, keine Ideen die nicht irgendwie Geld kosten von dem es gerade jetzt passend zu diesem so tollen Jubiläum einfach überhaupt keines gibt… Wir sind nicht Pleite, aber wir müssen mit 2 Füßen auf dem Bremspedal stehen bleiben. Wir machen nächsten Monat mit Chip zusammen einen Wochenend Trip für 3 Tage nach Paris. Den Trip an sich haben wir über das Jahr einigermaßen zusammengespart bekommen. Aber das ist ja noch nicht alles, ich rechne mal vorsichtig mit wenigstens 400 Euro Taschengeld. Und das ist einfach für uns ein Riesen Haufen Geld.

Eben ruft mich Trixie an und fragt ob Chip morgen an unserem Jubliäumstag nicht für ein paar Stunden spazieren gehen soll damit wir Zeit für uns alleine haben. Was eigentlich etwas total schönes ist, wird Urplötzlich für mich zum Horror, lässt mich emotional komplett wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Denn ich sitze hier… und mein Kopf…. ist leer.

20 Jahre lang, hatte ich immer wieder mal gute Ideen, natürlich auch so einige schlechte, und natürlich weiß ich das es für Sie schon ausreichend wäre wenn wir einfach nur um den See spazieren gehen. Aber am 20. Jahrestag einfach nur spazieren? Ich bin total fertig, weiß gerade nicht mehr wo hinten und vorne ist. Suche verzweifelt nach einem Funken in meinem Kopf der den ganzen Apparat wieder anstartet. Aber mein Kopf bleibt leer.

Ich habe Angst davor einfach nur spazieren zu gehen, aus gutem Grund. 1 oder 2 Stunden durch die Gegend zu laufen und miteinander zu reden ist was schönes. Aber nach 20 Jahren gibt es keine Geschichten mehr zu erzählen weil alle erzählt sind, wir kommunizieren heute den ganzen Tag über Whatsapp miteinander, erzählen uns Abends nach dem Feierabend was sonst noch so war und was noch nicht per Smartphone geteilt wurde. Also habe ich Angst davor, 1-2 Stunden mit meiner Frau durch die Gegend zu laufen und nichts sagen zu können, ihr ein Bild von mir zu liefern, das einen stummen langweiligen Mann zeigt der es nicht schafft über etwas zu reden.

Natürlich weiß ich das es 1.000 Themen gibt und wenn es die Gänseblümchen am Wegesrand sind. Aber in diesen Situationen verkrampfe ich total und bekomme keine Worte mehr heraus. Ich weiß nicht warum das so ist.

Denn mein Kopf… bleibt leer.

15

Wie schreibt man einen Liebesbrief nach 15 Jahren Ehe und bald 20 Jahren Partnerschaft?

Keine Ahnung…. aber ich versuch es einfach mal.

Was gibt es nach 15 Jahren Ehe noch zu sagen was man noch nicht gesagt hat?

Es hat sich gelohnt!

Ich glaube das passt am besten, es hat sich gelohnt vor 15 Jahren Ja zu sagen:

Ja zu einem Leben zu zweit
Ja zur Liebe die man zwischen einander fühlt
Ja zu dem Plan eine Familie zu gründen
Ja zu allen Widrigkeiten, allen Problemen die kamen und bestimmt auch noch kommen werden, denn wir gehen jedesmal erstärkt daraus hervor
Ja zu der tollen Zukunft die uns noch bevorsteht.

Danke das du der Grund bist, warum es sich lohnt, sich sein Leben lang an einen Menschen zu binden und Ihn ohne Kompromisse zu lieben.

Ich liebe dich mein Schatz

 

Kurz und schmerzlos, aber es sagt das aus, was ich fühle. Eine tiefe Dankbarkeit und eine noch tiefere nicht zu begreifende Liebe.

Ich bin kein gläubiger Mensch, so ganz und gar nicht, der Gedanke das es einen Gott gibt hat mich noch nie überzeugt, aber ich respektiere es. Was ich jedoch glaube, ist, dass jeder Mensch, mehr als nur einen Verstand hat. Das jeder Mensch ein eigenes Wesen hat, dass, was die meisten Menschen als Seele bezeichnen. Und ich glaube auch daran, dass es tatsächlich so etwas wie Seelenverwandtschaft gibt.

Warum?

Weil ich meinen Seelenverwandten gefunden habe. Ich habe eine Frau, die trotz unserer teilweise großen Unterschiede, so unglaublich gut zu mir passt. Ich erlebe eine Liebe, wie ich sie mir nie hätte vorstellen können, für die ich gar keine passenden Worte habe.

Diese Liebe, erfüllt mein Herz, Tag für Tag, sie festigt mich, gibt mir Rückhalt, auch wenn ich mal schwanke, sie motiviert mich jeden Tag mein bestes zu geben.

Diese Frau macht mich Stolz wenn ich sehe wie engagiert und fleißig sie ist, wie viel Liebe sie in unsere Kinder steckt. Vor allem wie viel Liebe sie in mich steckt!
Sie macht mich auch nach all der Zeit immer noch wahnsinnig vor Begierde und Verlangen nach ihr.

Und selbst jetzt, in einer Zeit, in der wir unsere Ehe, unsere Liebe geöffnet haben, ist es nicht so als würde etwas geteilt werden, als müsste ich ein Stück von Ihr aufgeben. Ich teile sie, ja, aber ich habe nicht das Gefühl dadurch etwas zu verlieren. Und dieses Gefühl nicht zurück zu stehen, das vermittelt mir diese einzigartige und tolle Frau.

Wir sind nicht reich an Geld, kämpfen uns Monat für Monat irgendwie durch, wir reisen nicht quer durch die Welt und erleben jeden Tag ein neues Abenteuer in einem anderen Land, wir haben keine dicken Auto’s und keinen Riesen Fernseher.
Aber was wir haben, ist ein Leben, welches wohl kaum noch Lebenswerter wäre. Ein Leben, das auf so unglaublich viel Liebe aufgebaut ist wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Ein Leben, das ich Tag für Tag genieße, ich freue mich auf jeden Feierabend, auf jedes Wochenende und auf jede Minute die ich mit meiner so außergewöhnlich tollen Familie verbringen darf.

Und deshalb, Danke! Danke das ich dieses Leben leben darf.

Erst hui, dann pfui?

Wenn man sich im Internet auf Blogs, Beiträgen in Zeitschriften oder sonst wo über Polyamorie erkundigt, dann wird als größtes Problem in Mehrfachbeziehungen immer die Eifersucht angeführt. Ich selbst kann jetzt nicht unbedingt sagen das ich übermäßig eifersüchtig wäre. Ich gönne es meiner Frau sogar, das Gefühl von zwei Männern gleichzeitig geliebt und begehrt zu werden. Ich stelle mir das selbst sehr überwältigend vor.

Was ich jedoch sagen kann, ist das ich gerade am Anfang, Angst und vor allem Neid empfunden habe.

Der Neid richtete sich hauptsächlich darauf, das Chip durch seine Arbeitszeiten mehr Zeit mit meiner Frau verbringen konnte als ich.
Das wir zwei vorher nicht übermäßig viel Zeit zusammen haben in der Woche war nie ein Thema. Aber jetzt, wo es jemanden gab der dies konnte, wurde es plötzlich eines. Dieser Neid wurde dann durch die Angst geschürt, das Ihre Gefühle für mich deshalb weniger werden könnten, oder das er mir einfach gesagt, den Rang ablaufen könnte.

Heute, nach knapp 6 Monaten weiß ich das es ganz und gar nicht so ist. Aber die ersten 2 Monate waren dadurch teilweise schon eine ziemliche Herausforderung. Das kleine Teufelchen auf der Schulter, die vielen Dramen die man im Kopf durchspielt, Gespräche die nie stattgefunden haben die jedoch trotzdem das Selbstvertrauen torpediert haben. Das alles war gerade am Anfang dieser Beziehung wirklich schwer zu verarbeiten.

Man(n) ist geprägt durch die Vorstellung in der Beziehung die Führungsposition zu haben, was die Liebe angeht, die Leidenschaft, die Qualität des Sex. Man(n) muss für die Frau die Nummer eins in allem sein, sonst macht Man(n) ja irgendwas falsch.

Oder?

Ich brauchte eine ganze Weile um zu verstehen das sich all das, gar nicht geändert hatte und es gar keine Hierarchie dazu gibt, aber ich es genau so wahrnahm.
Ich brauchte auch sehr lange um zu verstehen das ich Ur-Plötzlich nur noch das negative sah. Die Positiven Aspekte, das schöne, das ging alles ganz selbstverständlich an mir vorbei.

Und dann musste es natürlich irgendwann knallen.

Wenn wir miteinander schliefen, dann war es am Anfang für mich sehr ungewohnt plötzlich zu dritt zu sein. Ich stellte es mir einfacher vor in dieser Situation meinen „Mann“ zu stehen. Aber gerade die Anfangszeit war geprägt von Nervosität und überwältigender Erregung.

Zeitgleich mit dem Beginn dieser Beziehung fing ich an meine Ernährung radikal zu ändern, was im Klartext bedeutete das ich weniger als die Hälfte von dem was ich vorher am Tag gegessen hatte zu mir nahm.

Die Essensumstellung, die Nervosität, das alles wurde mir zum Verhängnis, mein Stehvermögen brach ein und ich brauchte auch deutlich länger bis ich überhaupt auf Betriebstemperatur war.
Gleichzeitig war da dieser neue jüngere, schlankere und deutlich „größer“ ausgestattete Liebhaber der diese Probleme anscheinend nicht hatte. Er stand wie auf Kommando, konnte mehrfach hintereinander zum Orgasmus kommen ohne abzustürzen , während ich selbst wie eine Muskete nach einem Schuss für Stunden aus dem Spiel war. Er war mir gefühlt deutlich überlegen.

In diesem Moment brach für mich eine kleine Welt zusammen, mein Kopf spielte alle Möglichen Szenarien durch, vom verlassen werden, über die Angst nicht mehr gut genug für sie zu sein bis hin zum totalen Versagen in allen Bereichen.

Umso länger mein Körper nicht die Leistung abrufen konnte die ich wollte, umso stärker wurde der Druck den ich mir selbst auferlegte. Ich wollte unbedingt etwas das vorher bereits Monatelang nicht klappte wie z.B. eine Fitness zu haben die mit 130kg Lebendgewicht gar nicht funktionieren konnte, ich eröffnete den Teufelskreis.
Irgendwann gingen dann die Nerven mit mir durch und es knallte ordentlich. Ich beschwerte mich bei meiner Frau über mich selbst, das ich nur 5 Minuten am Stück schaffen würde während er mit Leichtigkeit 20 Minuten durchhielt. Das er so deutlich besser wäre als ich. Das mir meine Frau nicht mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat war eigentlich ein kleines Wunder, ich hätte es durchaus verdient gehabt, den unbedacht machte ich Ihr damit den Vorwurf das sie sich viel mehr auf Chip konzentrieren würde als auf mich. Ich machte mir Gedanken über Dinge die so gar nicht passierten. Ich nahm eine Welt wahr, die gar nicht real existierte. In der ich komplett versagte, in der meine Frau mich nicht mehr liebte. Aber das alles passierte nur in meinem Kopf…

Ich fing an mich wieder zusammen zu reißen. Und mit den folgenden Tagen schaffte es mein Selbstvertrauen auch wieder an die Oberfläche zurück. Mein Körper gewöhnte sich in der nächsten Zeit an den neuen Energiehaushalt und meine Frau zeigte mir intensiv das sie mich nach wie vor liebte, das ich ihr nach wie vor Freude bereitete, dass eigentlich alles ok war und es sich doch gar nichts zu vorher geändert hatte. Ich war einfach nur blind, blind für das was vor mir passierte.

Ungefähr 2 Wochen nach diesem kleinen Nervenzusammenbruch ging es mir wieder gut, ich sah wieder das was wirklich war, dass ich eine Frau habe, die zwei Männer liebt, die den Rausch des frisch verliebt sein’s noch einmal neu erleben darf und nun noch stärker aufblühte als sie es vorher schon getan hat.

Die Probleme im Bett verflogen wieder, durch die inzwischen 15kg weniger war auch ein gutes Stück Fitness wieder da das ich so schmerzhaft vermisste und die negativen Gedanken verschwanden. Das brachte mich dann wieder endgültig zurück in die Spur. In unserer Beziehung spielt der Spaß am Sex eine große Rolle und gerade weil ich selbst unheimlich viel Spaß daran habe, waren diese Umstände so ein großes Problem für mich.

Ich sage nicht das alle Probleme gelöst sind, das kleine Teufelchen auf der Schulter pickst noch immer mit seinem Dreizack wo er nur kann. Ich denke das liegt vor allem an der Prägung auf eine Beziehung zwischen 2! Menschen und die falsche Vorstellung immer der beste für den Partner sein zu müssen. Es gibt immer wieder Momente in denen mein Kopf irgendwelche Situationen konstruiert oder mich zweifeln lässt.

Aber wenn ich nach Hause komme, meiner Frau in die Augen sehe und ihre unendliche Liebe darin entdecke. Dann sind diese bösen Gedanken wieder weg.

Dieses Gefühl, sie zu sehen, so glücklich, so zufrieden. Es ist wirklich wunderschön und überwältigend.

Die Freundschaft zwischen mir und Chip ist inzwischen auf einem Level angekommen, bei dem man eigentlich nicht mehr von Freundschaft, sondern von einer Beziehung sprechen kann. Nichts sexuelles, aber Intim. Ich mag ihn wirklich sehr, ich schätze ihn, ich mache mir manchmal Sorgen um ihn. Ich achte darauf wie er sich verhält. Das alles auf eine sehr ehrliche und innige Art und Weise.

Und genau das ist es auch, was diese ungewöhnliche Lebensweise für mich so wundervoll macht. Die Liebe teilt sich nicht, sie wird ganz schlicht immer mehr. Es ist aber auch ein andauernder Kampf mit sich selbst, man wird sehr einfach auf die negative Seite gezogen und muss versuchen den Fokus auf das positive nicht zu verlieren. Das ist gar nicht so einfach.

Wie ging das überhaupt los?

Aller Anfang ist schwer. Also versuche ich die Anfänge mal aus meiner Sicht zu erzählen. Wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass wir plötzlich zu Dritt sind und ein Beziehungsmodell ausüben, von dem wir vorher noch nie wirklich etwas gehört hatten und es doch so wunderbar zu uns passt.

Zunächst zu meiner Person, ich bin Chap, der Ehemann in der Beziehung. Ich und meine Frau Trixi sind mittlerweile seit 19 Jahren zusammen. Sie war meine erste wirklich ernste Beziehung. Nach 5 Jahren Zusammenleben haben wir geheiratet und 2 Kinder bekommen. Wir gingen in den 19 Jahren durch Dick und Dünn, hatten Probleme, haben uns wieder zusammengerauft, hatten größere Probleme, haben es trotzdem geschafft. Denn eines hat sich auch bei den immer wieder aufkommenden Problemen gezeigt: Wir lieben uns beide inständig und ohne wenn und aber.

Natürlich war es nicht nur die Liebe die uns immer wieder unsere Probleme überstehen lies. Wir haben uns auch beide weiterentwickelt, wurden Erwachsener und mit der Zeit auch etwas klüger. Das alles lies diese Beziehung und Ehe aufblühen. Als wir vor etwas mehr als einem Jahr ein Haus gekauft haben, bekamen wir zum ersten Mal in unserem Leben das Gefühl angekommen zu sein. Und dieses Gefühl ist wirklich der Wahnsinn.

Aber warum gerade wenn es so gut läuft umsteigen und Polyamor leben?

Nach 19 Jahren Beziehung kennt man den Partner in und auswendig. Es ist wie beim Essen gehen.

Am Anfang geht man aus, man besucht jedes Restaurant, probiert die ganze Karte von oben nach unten durch, unterhält sich Stundenlang. Aber nach 19 Jahren, da kennt man die besten Restaurants, weiß genau was man gerne isst und genießt den Moment mit leichten Gesprächen und dem schönen Gefühl bei dem Menschen zu sein den man so sehr liebt.

Genau wie im Restaurant, ist es auch mit dem Sex. Man weiß genau welche Knöpfe man drücken muss, man kennt den Körper und die Reaktionen des anderen auswendig. Und jetzt nicht falsch verstehen, der Sex ist in diesem Stadium einfach großartig!

Wir haben recht viel Sex für eine so lang anhaltende Beziehung würde ich sagen. 3-4 mal pro Woche ist ganz normal für uns. Wenn es die Zeit zwischen Kindern, Schule und dem ganzen drum herum zulässt, auch gerne mehr. Und jetzt kommt das schöne „ABER“ 😀 natürlich ist der Sex im ganz normalen Alltag etwas zur Routine geworden. Man nimmt sich nicht unbedingt die nötige Zeit um es vollkommen zu genießen, sondern wartet bis die Kinder im Bett sind, bis der Haushalt erledigt ist um dann am Abend noch schnell miteinander zu Schlafen, bevor man zu müde dafür ist.
Natürlich versucht man trotz des Alltag immer wieder einmal etwas neues, bringt Spielzeug mit ins Liebesspiel, versucht auch hier und da mal ein schönes Vorspiel, man gibt sich nach wie vor Mühe. Und irgendwann kommt trotzdem der Gedanke auf, es wäre doch interessant mal wieder fremde, unbekannte Haut zu spüren. Und hier fing das alles an.

Eigentlich fing es damit an, dass unser bester Freund Chip in den letzten Monaten sehr häufig bei uns war. Bei ihm Zuhause gab es viele Probleme.
Irgendwann hatte er dann Urlaub und war eigentlich jeden Tag bei uns. Wir kochten zusammen und so ein bisschen lebten wir auch zusammen. Er tat uns gut. Wir gingen wieder mehr raus, vor allem er und Trixi gingen oft spazieren. Ich leider weniger aufgrund meiner Arbeit, aber wenn die Möglichkeit bestand, ging ich auch mit.

Nach seinem Urlaub ging es für Chip wieder zurück in den Arbeits- und Ehe Trott und schnell bemerkte er, dass es so nicht weitergehen konnte. Er beschloss endlich etwas zu sagen und seine Wünsche zu äußern.

Leider führte dies aber nicht dazu das sich die Beziehung besserte, sondern das es nur noch schlimmer wurde bis er schließlich Zuhause aus- und vorerst bei uns einzog.

Ich erzähle die Geschichte in einem recht hohen Tempo und nur oberflächlich. Vielleicht hat Chip ja später im Verlauf des Blogs mal die Lust das ganze etwas ausführlicher zu beschreiben. Das möchte ich ihm nicht wegnehmen, zumal ich auch nicht der Betroffene bin und das ganze nur von außen schildern kann.

Wie bereits in der Urlaubszeit harmonierten wir drei unheimlich gut, und während die ersten Tage vergehen hatten wir wieder die Gespräche mit fremder Haut, neues erleben…… Irgendwann machte ich den Seitenhieb von wegen wir könnten ja Chip dazu nehmen. Als zweiten Mann für Trixi. Bereits in dem Moment, indem ich den Satz anfing, sah ich das glitzern in Ihren Augen, das innere Feuer das lauthals JA!!!!! schrie. Sie selbst wusste nicht genau ob es was für ihn wäre. Denn im Gegensatz zu uns verlief seine Ehe bisher nicht gut und das merkte man auch. Seine Seele war zutiefst angeknackst, er hatte kein Selbstvertrauen und sein Selbsterhaltungstrieb war quasi vollkommen zerstört. Zusätzlich zu den ganzen Problemen entwickelte Chip bereits früh Gefühle für Trixi welche er aber unterdrückte. Und da es uns damals primär um den Sex ging waren Gefühle eigentlich ein No-Go…..

Doch die Neugierde siegte und die beiden fingen an über das Thema zu reden. Zunächst aber nur mit dem Ziel das sie beide etwas Spaß hätten. Wie das ganze sich entwickelte überlasse ich ebenfalls den beiden zu erzählen denn die meisten Gespräche habe ich nicht mitbekommen.

Irgendwann waren dann endlich die Kinder über Nacht weg und Trixi fragte mich ob ich etwas dagegen hätte wenn sie sich zu ihm legt und den 1. Schritt macht. Das hatte ich nicht und so verbrachten die beiden Ihren ersten Abend miteinander.

Nach diesem Abend folgte natürlich das Frühstück am nächsten Morgen. Wir waren beide vor Trixi wach und hatten Zeit ein wenig über das Erlebte zu reden.  Ich fragte Chip ob er es sich vorstellen könnte das wir uns auch zu dritt vergnügen könnten. Dies war für Ihn kein Problem. Also gesagt, getan. Nachdem Trixi aufgestanden war und gefrühstückt hatte, schnappten wir Sie an den Händen und brachten Sie ins Schlafzimmer wo wir wirklich einen der aufregendsten Tage überhaupt hatten. Und mit diesem Moment entwickelte sich unsere Dreiecksbeziehung.

Anfänglich ging es eigentlich nur um Sex. Aber bereits nach kurzer Zeit merkte man Trixi und Chip an, dass da nicht nur Sex, Verlangen und Begierde war. Also sprach ich immer wieder das Thema Polyamor an, und genau dies traf meinen Schatz dann auch mitten ins Herz denke ich. Der Gedanke für beide Männer Gefühle zu empfinden muss nicht falsch sein, ganz und gar nicht. Er kann sogar etwas sehr schönes sein. Denn wo man doppelt soviel Liebe vergibt, bekommt man doppelt soviel Liebe zurück.

Und so ging es los…….

Hallo Welt…….

Wie warum oder weshalb ich das hier schreibe kann ich gar nicht genau sagen. Ich denke es liegt vor allem an dem Bedürfnis über diese wirklich aufregende Zeit zu sprechen, oder sie zumindest überhaupt irgendwie nach außen zu transportieren. Denn im Unterschied zu irgendwelchen ganz normalen Themen die man einfach so mit Freunden, Familie oder auch fremden teilt, geht es hier um etwas sehr intimes. Über Gefühlswelten und Eindrücke die man normalerweise nicht unbedingt mit jedem teilt. Es geht um ein Leben, das nicht gerade dem Standard in unserer Gesellschaft entspricht und schnell als pervers oder frivol abgestempelt wird. Das es hier aber um viel viel mehr geht, um eine Frau die zwei Männer liebt, zwei Männer die eine Frau lieben und auch um zwei Männer die sich selbst auf eine zwar nicht sexuelle, aber trotzdem sehr intime Art und Weise schätzen, mögen und ja, ich denke auch lieben. Denn im Endeffekt ist die Liebe was sie ist, Zuneigung, Vertrauen und viel Gefühl.